Paketflut, Weihnachtschaos & Zusteller am Limit - steht der Paketkollaps wirklich bevor?

Die Adventszeit ist seit vielen Jahren Stress für die Mitarbeiter von Logistikunternehmen und Paketdiensten. Das Aufkommen liegt in dieser Zeit konstant ungefähr 50% über dem Jahresmittel und das bekommen insbesondere die Paketboten zu spüren, die auf der sogenannten "letzten Meile" tätig sind und dort die mühevolle Kleinarbeit erledigen müssen - von Straße zu Straße, Haus zu Haus, Klingel zu Klingel und Tür zu Tür. Weshalb häufen sich aber ausgerechnet in diesem Jahr die Warnungen vor dem Paketkollaps? 

Weiterhin hohe Wachstumsraten 

Wirtschaftsverbände und Logistikdienstleister gehen für das Weihnachtsgeschäft 2017 von einem Wachstum des Versandhandels von etwa 15 % aus, verglichen mit dem Vorjahr. Diese 15 % sind, bedingt durch den in den letzen Jahren stark wachsenden Onlinehandel, nominell gesehen ein Wert, den man bereits aus den Vorjahren kennt. Vergleicht man allerdings echte Zahlen, wird deutlich, dass ein fortlaufendes Wachstum, in Höhe von 15 %, eine immer größere Herausforderung darstellt, da es in der Summe immer mehr Pakete werden, die jedes Jahr hinzukommen und jeweils einzeln ausgeliefert werden müssen. Darüber hinaus wird es für die gesamte Logistikbranche, aufgrund verschiedener Gründe, zunehmend schwieriger, die Infrastruktur zu schaffen, die diesem Wachstum gerecht wird. 

Kaum noch Personal zu finden

Angesichts einer guten Konjunktur und eines stabilen Arbeitsmarktes, ist es, besonders in den Ballungsräumen und unabhängig von der Art der Arbeit, schwer, Personal zu finden. Da die Nachfrage nach Paketboten und Fahrern bereits in den letzen Jahren durchweg groß war und zudem immer mehr Bringdienste und andere Angebote im Bereich "Delivery" hinzukommen, ist der Arbeitsmarkt wie leergefegt. Ein Umstand, der in nächster Zeit hoffentlich den Arbeitnehmern nutzt und zu immer besseren Verdienstmöglichkeiten und steigenden Löhnen führen wird. Das grundlegende Marktprinzip von Angebot und Nachfrage wird sicherlich auch hier Wirkung zeigen - gut so! 

Wachstum offenbar unterschätzt 

Auch wenn es ganz sicher eine große Herausforderung darstellt, den sich ändernden Gewohnheiten der Konsumenten gerecht zu werden und starkes Wachstum zu bedienen, wundert man sich schon ein wenig darüber, dass große Unternehmen und Weltkonzerne wie DHL, UPS, DPD und Hermes, offenbar nicht in der Lage sind, dieses Wachstum mit Ansage und jahrelangem Vorlauf zufriedenstellend und problemlos abzuarbeiten. Dass es Probleme gibt und die gesamte Infrastruktur an ihre Grenzen stößt, ist unbestritten. Teilweise gehen einige Anbieter dazu über, ihren Geschäftskunden im Weihnachtsgeschäft 2017 Obergrenzen im Hinblick auf die einzuliefernden Pakete aufzuerlegen und somit das Gesamtaufkommen künstlich zu begrenzen. Da kaum ein Unternehmen freiweillig auf Umsatz verzichtet, ist dies ein Indiz dafür, dass die Branche in diesem Jahr teilweise nach dem Grundsatz "je weniger, desto besser" arbeitet - ein verwunderlicher Umstand! Letzlich wissen allein die betroffenen Dienstleiter selbst, worin die Gründe dafür liegen, dass es aktuell zu Problemen mit der Bewältigung des hohen Paketaufkommens kommt. Ob es wirklich daran liegt, dass man das Wachstum unterschätzt hat oder man aufgrund von Einsparungen und der Scheu vor größeren Investitionen die Infrastruktur zu klein gehalten hat, lässt sich nur vermuten. Zahlreiche Branchenverbände und sogenannte Handelsexperten haben in jüngster Zeit ein anhaltend hohes Wachstum prophezeit. Was man allerdings auch anmerken sollte, ist, dass der Grundtenor noch vor einigen Jahren war, dass das starke Wachstum des Internethandels immer mehr abflacht und ungefähr im Jahre 2018 seinen Höhepunkt erreicht - mittlerweile gehen die allermeisten Experten von einer Spitze um das Jahr 2025 aus. 

Lösungen müssen her

Da eine grundlegende Änderung der Infrastruktur in den letzen Jahren offenbar vernachlässigt wurde, können schnelle Lösungen wohl nur durch ein Umdenken sowie das Ablegen bisheriger Gewohnheiten und Annehmlichkeiten herbeigeführt werden. Es mehren sich die Anzeichen, dass die standardmässige Lieferung bis an die Haustüre derzeit auf dem Prüfstand steht und Pakete mittelfristig im Standardversand immer den direkten Weg in einen Paketshop oder neu eingeführte Abholzentren finden. Sicher eine gute Lösung um die Effizienz zu steigern und Leerlauf durch fehlgeschlagene, mühsame Anlieferungsversuche zu minimieren. Gut für die Umwelt und auch für viele Kunden eine gute Sache, da man, innerhalb eines gewissen Zeitfensters, selbst den Zeitpunkt bestimmen kann, an dem man sein Paket in Empfang nimmt. Wer viel zu Hause ist und sich das Paket weiterhin bis an die Tür liefern lassen möchte, der wird zukünftig wahrscheinlich einen kleinen Aufschlag zahlen müssen. Eine sinnvoll gestaltete Kooperation der Dienstleister miteinander ist ebenfalls ein Trend, der sich verstärken wird um die Effizienz zu steigern und Zeit einzusparen. 

Steht Weihnachten 2017 auf dem Spiel?

Weichnachten ist sicher! Nicht nur, weil sich ein gelungens Weichnachtsfest nicht ausschließlich durch pünktlich angelieferte Pakete definiert, sondern auch, weil es nur in Ausnahmefällen dazu kommen wird, dass es Geschenke nicht rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum schaffen. Auch wenn die Paketdienste in der Adventszeit 2017 noch mehr Stress und Arbeit haben werden als in den Jahren zuvor und es zu Rekordwerten kommen wird, - allein DHL plant an Spitzentagen mit bis zu 7 Millionen Paketauslieferungen - werden die Kunden ungefähr eine Woche vor Weihnachten abrupt von "online" zu "offline" wechseln und Last Minute-Geschenke eher im stationären Einzelhandel kaufen. Für den Onlinehandel und die Paketdienste bedeutet das, dass das Aufkommen sich rapide verringern wird und somit noch genug Zeit bleibt, Verzögerungen aufzholen und die sich anstauende Paketflut sukzessive abzuarbeiten. 

Fazit für Kunden 

Es zeichnete sich bereits kurz vor dem 1. Advent ab, dass es vor Weihnachten, öfter als gewohnt, zu nervigen und unschönen Verzögerungen und verlängerten Paketlaufeziten kommen wird, wobei der rechtzeitige Erhalt der Pakete vor Heiligabend - die rechtzeitige Bestellung vorausgesetzt - in aller Regel nicht gefährdet sein wird. 

In diesem Sinne - ein schöne, beschauliche Adventszeit und ein friedliches Weihnachtsfest 2017! 

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